Geschichte Hundertbücheln

Die Legende:

Eine Legende besagt, dass in uralten Zeiten, als es noch Riesen gab, einer davon, über den Hattert lief. Er hatte in seiner Schürze, nach bäuerlicher Art gebunden, Sand. Dies Schürze hatte aber ein Loch und hin und wieder verlor er von seinem Sand. So entstanden die Hügel. An seinem Ziel schüttete der dann den Rest aus, das ergab den höchsten Hügel und auf dem steht nun die Kirche.

Als die ersten Sachsen nun hier eine Siedlung gründeten, konnten sie sich nicht entscheiden wie sie den Ort benennen sollten, in dem sie sich niedergelassen hatten. Also hielten sie jeden Sonntag eine Sitzung auf einem der Hügel und berieten über die Namensgebung. Und um nicht auf dem „trockenen“ zu beraten brieten sie je ein Schaf. Da sie zu keinem zufriedenstellenden Schluss kommen konnten, trafen sie sich am nächsten Sonntag auf einem weiteren Hügel und berieten und brieten wieder ein Schaf. Nun, ob ihnen der Lammbraten so gut schmeckte, oder ob jeder seine Meinung durchsetzen wollte, (oder ob sie einen Grund brauchten von der Frau fernzubleiben) man weiß es nicht so genau, dauerte es eine Weile. Auf jeden Fall, jemand, (vielleicht eine der Frauen) sammelte die Felle der verspeisten Schafe ein, zähle sie, und kam genau auf hundert. Die Allgemeinheit hatte somit den Namen gefunden: hundert Bücheln. Der Hügel auf dem das letzte Schaf verspeist wurde ist der, auf dem heute die Kirche steht.


Die Fakten:

ca. 1180
Erstbesiedlung der Hundertbüchler Gemarkung durch die “hospites” genannten deutschen Siedler.
ca. 1225
Es wird mit dem Bau einer Kirche im romanischen Stil mit einem Glockenturm an derer Westseite begonnen.
1241
Einfall der Tataren, mit darauf folgender Hungersnot.
1324
Aufstand der Sachsen unter dem Grafen Henning von Petersdorf gegen König Karl. Das sächsische Herr zieht sich in die Nähe von Hundertbücheln zurück und wird bei Reps von den königlichen Truppen geschlagen.
1329
Hundertbücheln wird in einem Dokument das Schenker Stuhls erstmals als “Hundert puch” urkundlich erwähnt. Hundertbücheln gehört mit kurzen Unterbrechungen bis 1876 zum Schenker Stuhl.
1355
Der Name der Gemeinde lautet” Hundertpucheln”, lateinisch “centrum cumuli”, nach den “hundert Büheln” die den Ort umgeben. Es kommt zu einem Streit zwischen Hundertbücheln und Mergeln um das “Widenthal”.
1368
König Ludwig I. von Ungarn, ein Herrscher aus dem französischen Geschlecht der Anjou, schlägt in der zweiten Woche nach Ostern für mehrere Tage sein Lager in der Nähe von Hundertbücheln auf.
1374
Die Bewohner von “Mergenthal” beklagen sich, dass die Leute von Großschenk als auch die von Hundertbücheln ihre Felder verwüstet haben.
1411
Die kleine Glocke wird erstanden. Sie trägt die Inschrift: ”Michael, ora pro nubis ad dominium, 1411” (Michael, bete für uns zu Gott, 1411).
ca. 1425
An die östliche Kirchenmauer wird ein als Bollwerk dienender Turm angebaut, der sogenannte “Pflaumenturm”. In einer Höhe von 20 m wird ein Wehrgang errichtet, der Turm mit einem Pyramidendach und engen Schießscharten versehen.
Zur gleichen Zeit wird der Glockenturm um ein Stockwerk erhöht und mit einem hölzernen Wehrgang versehen.
1461
Als erster namentlich bekannter Pfarrer aus Hundertbücheln wird Magister Stefan genannt.
1475
Pfarrer Eugidius bewirkt beim Kardinalskollegium in Rom für die Pfarrkirche in Hundertbücheln einen hunderttägigen Ablass. Dies brachte der Gemeinde erheblichen Wohlstand.
1488
Volkszählung im Schenker Stuhl. Hundertbücheln ist mit 54 Wirten, zwei Hirten, drei leer stehenden Häusern, einer Mühle und einer Schule die fünftgrößte Gemeinde im Schenker Stuhl nach Agnetheln, Jakobsdorf, Großschenk und Mergeln.
1495
Die Kirche wird umgebaut und mit gotischen Stilelementen versehen.
1496
Zusätzlich zur kleinen und großen Glocke wird die mittlere Glocke erstanden. Sie trägt die Inschrift: “ O rex gloriae, veni com pace! Egidius sankt Michaeli 1496” ( O König der Herrlichkeit, komm mit deinem Frieden! Egidius dem Heiligen Michael).
1499
Zweite Ablassurkunde.
ca.1500
Der Ausbau der Kirche zur Wehrkirche wird weiter vorangetrieben. Die innere Ringmauer mit drei Wehrtürmen, dem Pfortenturm im Südosten, dem großen rechteckigen ”Speckturm” an der Nordseite und dem zweiten dreigeschossigen Pfortenturm an der Westseite wird erstellt.
1506
Antonius Pauli de Centrum cumulis (Hundertbücheln) studiert an der Universität in Krakau. Drei weitere Studenten aus Hundertbücheln finden wir gegen Ende des 16. Jahrhunderts am Honterusgymnasium in Kronstadt.
21.12.1507
Unter der Vermittlung des weltgewandten Pfarrers Egidius erhalten die Hundertbüchler vom König Wladislaw eine Urkunde in der ihnen das Schmielenfeld (Poligon) zugesprochen wird.
10.06.1509
Die sächsische Nationaluniversität bestätigt die vom König übertragenen Gebiete den Hundertbüchlern.
1514
Als Egidius Nachfolger tritt der Magister der Freien Künste Kaspar Schin sein Amt in Hundertbücheln an.
1514
Die Neustädter fordern von Ihrer “Muttergemeinde” Hundertbücheln einen Teil des Schmielenfelds. Unter der Vermittlung des Bürgermeisters aus Schäßburg einigt man sich gütlich.
1532
Hundertbücheln hat etwa 400 Einwohner, eine für die damalige Zeit recht stattliche Ortschaft.
1547
Königs- und Stuhlrichter von Schenk bestätigen eine Grenzberichtigung zwischen Hundertbücheln und Schönberg.
1554
Das steinerne Taufbecken wird für die Kirche gestiftet.
1560
Man einigt sich auch mit Mergeln unter der Vermittlung des Königsrichters im Streit um das Widenthal.
1561
Rechtsstreit zwischen dem Pfarrer von Großschenk und dem Pfarrer von Hundertbücheln um die Abgabe des Zehnten vom Schmielenfeld.
1564
In Hundertbücheln wird die Lehre Luthers eingeführt. Die neue Kirchenordnung der Deutschen in Siebenbürgen wird eingeführt.
1579
Hundertbücheln erhält vom Fürsten Christoph Báthori das Recht am Sonntag nach dem Martinstag Jahrmarkt abzuhalten. Dies ist für Hundertbücheln von großer Bedeutung, denn damit ist Hundertbücheln einer von 39 siebenbürgischen Jahrmarksorten.
1600
Marodierende Truppen von Michael dem Tapferen (Mihai Viteazul) ziehend mordend und brandschatzend durch Siebenbürgen und verwüsten den Schenker Stuhl.
1654
In Hundertbücheln bricht die Pest aus.
1658
Ein tatarisch-moldauisch-walachisches Heer überfällt Siebenbürgen. Auch Hundertbücheln wird belagert, die Burg hält der Belagerung stand, das bezeugen die noch am alten Gerüst hängenden Glocken. Ein seltener Fall in Siebenbürgen! Die Gemeinde aber brennt nieder. Der auch als 4. Türkenkrieg bekannt gewordene Krieg endete am 10. August 1664 mit dem Frieden von Eisenburg zwischen den Habsburgern und dem Osmanischen Reich. Nach dem Türkenkrieg war die Bevölkerung Hundertbüchelns stark dezimiert und es wandern viele neue Familien nach Hundertbücheln ein.
1704, 1705
Die Hundertbüchler müssen mehrmals vor den aufständische “Kuruzzen” die plündernd durchs Land ziehen in ihre Kirchenburg flüchten.
1709
Die Pest kehrt nach Hundertbücheln zurück.
1765
Hundertbücheln hat 301 sächsische Einwohner,
1813
In Hundertbücheln gibt es 67 Familien.
1816 und 1817
Missernten und Heuschreken plagen die Hundertbüchler.
1830
Die Cholera wütet in Hundertbücheln.
1840
Der Altar wird übermalt, dahinter das “Glater” erstellt und am Gestühl werden die Malereien mit “schlechter Leinölfarbe überschmiert”.
ca. 1850
Ein Viertel des Hundertbüchler Bodens ist in den Händen von Rumänen.
1856
Der Zehnte muss nicht mehr an die Kirche abgegeben werden.
1860-er Jahre
Der Turm an der oberen Ringmauer und das alte Pfarrhaus werden abgetragen. Mit diesem Baumaterial und durch Spenden der Gemeinde wird das aktuelle 23 m lange und 10 m breite Pfarrhaus erbaut. Die Kosten für das Pfarrhaus belaufen sich auf ca. 4900 Gulden, dabei sind die freiwilligen Arbeitsstunden der Gemeindemitglieder nicht eingerechnet (zum Vergleich: ein paar schöne Ochsen kosteten ca. 150 Gulden).
1867
Anschluss Siebenbürgens an Ungarn.
1876
Die Eigenverwaltung der Sachsen, die Nationaluniversität wird von den Ungarn aufgelöst, und Siebenbürgen in Stühle und Komitate neu organisiert.
1879
Die Magyarisierung der Schulen setzt ein. Die Ungarn verfolgen das Ziel die deutsche Sprache nach und nach durch Ungarisch zu ersetzten. Im 7. -9. Schuljahr sollte die Unterrichtssprache ausschließlich Ungarisch sein.
1882
Bischof Georg Daniel Teutsch besucht seine Heimat Hundertbücheln.
1900
Hundertbücheln hat 515 sächsische Einwohner.
1909
Die Schule wird neu renoviert.
1914
Der erste Weltkrieg bricht aus. Als Teil Österreich-Ungarns müssen auch junge Hundertbüchler in diesen Krieg ziehen. Nur wenige kehren zurück.

1.September 1916
Eine Gruppe deutscher Soldaten taucht in Hunderbücheln auf und wird von den Bewohner freundlich empfangen und bewirtet. Auf dem Marktplatz stehend werden sie von einer in der Nähe befindlichen rumänischen Einheit beschossen. Die Verwundeten werden in der Kirche versorgt. Eine 70 mm Granate trift den Pflaumenturm, richtete aber keinen größeren Schaden an.
Auf dem Schmielenfeld kommt es zum Zusammenstoß zwischen der deutschen und der rumänischen Einheit. Dabei konnte sich die deutsche Einheit nur unter großen Verlusten retten. Die gefallenen deutschen Soldaten werden auf dem sächsischen Friedhof beerdigt. Diese Gräber stehen auch heute noch auf dem Hundertbüchler Friedhof.
1918
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde Siebenbürgen Rumänien zugesprochen
1927
Der “Saal” wir unter großem finanziellem Aufwand der Gemeinde fertiggestellt

Fortsetzung folgt…..


Hundertbüchler Gemeindezeichen

Hat jemand nähere Informationen zum Hundertbüchler Gemeindezeichen? Wie/wann ist es entstanden und was hat seine Form zu bedeuten? Infos bitte an info@hundertbuecheln.de


Allgemeines zu Geschichte der Siebenbürger Sachsen finden Sie unter folgendem Link: http://www.siebenbuerger.de/portal/land-und-leute/siebenbuerger-sachsen/

Quellen:
“Hundertbücheln-Eine Ortsmonographie”, Hermann Rehner, 1986
“Hundertbücheln”, Niedermaier-Brotschi, Verlag Rolf Brotschi Buch + Kunst, 1999